Wie entsteht ein Malbuch? Und woran du ein gutes erkennst
Kennst du das? Vor dem Regal voller Malbücher
Du stehst im Buchladen oder scrollst abends durch einen Onlineshop. Vielleicht steht der Geburtstag deiner Enkelin vor der Tür, dein Patenkind kommt zu Besuch oder deine Kita-Gruppe braucht neues Material für Regentage. Vor dir liegen Dutzende Malbücher mit Einhörnern, Baggern, Dinos und Prinzessinnen. Alle sehen bunt und fröhlich aus.
Trotzdem landet manches Malbuch nach drei Seiten in der Ecke. Der Filzstift drückt durch, die Motive sind viel zu fitzelig, oder das Buch klappt ständig zu. Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du in bester Gesellschaft. Die gute Nachricht: Ein gelungenes Malbuch erkennst du mit wenigen Handgriffen. Am leichtesten gelingt das, wenn du weißt, wie so ein Buch überhaupt entsteht.
Warum sich der zweite Blick lohnt
Ausmalen ist viel mehr als Beschäftigung. Kinder üben dabei, den Stift zu führen, Farben auszuwählen und bei einer Sache zu bleiben. Ein Malbuch, das zum Alter und zu den Stiften passt, schenkt kleine Erfolgserlebnisse. Ein unpassendes sorgt eher für Frust.
Übrigens sind Malbücher längst nicht nur bei Kindern beliebt. Auch viele Erwachsene malen aus, um abzuschalten. Gemeinsames Ausmalen am Küchentisch ist also etwas für alle Generationen.
Von der Idee bis zum fertigen Buch: So entsteht ein Malbuch
Die Idee: Am Anfang steht die Frage, für wen das Buch gedacht ist. Dreijährige brauchen andere Motive als Grundschulkinder. In Verlagen begleitet das Lektorat ein Buch von der ersten Idee bis zum fertigen Exemplar. Es achtet zum Beispiel darauf, dass Inhalt und Zielgruppe zusammenpassen.
Die Skizzen: Illustratorinnen und Illustratoren zeichnen erste Entwürfe, oft ganz locker mit Bleistift. Hier wird ausprobiert, verworfen und neu gezeichnet. Ein Dino bekommt vielleicht drei Anläufe, bis er freundlich genug guckt.
Die Reinzeichnung: Aus der Skizze wird eine saubere Linienzeichnung mit klaren, möglichst geschlossenen Konturen. Sie ist das Herzstück jedes Malbuchs. Ob von Hand mit Tusche oder am Grafiktablett: Jede Fläche soll gut erkennbar und gut ausmalbar sein.
Der Seitenaufbau: Danach werden die Motive auf die Seiten gesetzt. Dabei bleibt genug Rand, damit nichts in der Buchmitte verschwindet. Der Umschlag bekommt Farbe. Druckereien bieten Malbücher zum Beispiel im Format A4 mit vierfarbig gedrucktem Umschlag an.
Der Probedruck: Bevor die ganze Auflage gedruckt wird, lohnt sich ein Testexemplar, das viele Druckereien anbieten. Daran sieht man, ob die Linien kräftig genug sind und das Papier passt.
Druck und Bindung: Erst dann wird gedruckt und gebunden. Das kann eine große Verlagsauflage sein oder eine Kleinauflage von 10 bis 250 Stück, wie sie Druckereien auch für Privatleute anbieten.
7 Tipps: Woran du ein gut gemachtes Malbuch erkennst
- Die Linien passen zum Alter. Für die Kleinsten sind dicke, klare Konturen, große Flächen und ein Motiv pro Seite ideal. Schulkinder lieben dagegen Details, Muster und Wimmelszenen. Als Faustregel gilt: Musst du selbst die Augen zusammenkneifen, ist das Buch für Kleine zu fein.
- Das Papier ist fest genug. Normales Drucker- und Briefpapier hat meist 80 bis 90 g/m². Für Ausmalseiten sind etwa 120 g/m² eine gute Orientierung. Steht die Grammatur nicht drauf, hilft der Fenster-Test: Schimmert die Rückseite stark durch, solltet ihr eher Buntstifte statt Filzstifte nehmen.
- Die Rückseiten sind frei. Einseitig bedruckte Seiten sind ideal für Filzstifte und Wasserfarben, denn dann wird kein anderes Motiv verschmiert. Außerdem lassen sich fertige Bilder heraustrennen, aufhängen oder an Oma schicken.
- Das Buch liegt flach. Probiere aus, ob es offen liegen bleibt, ohne dass du es festhalten musst. Achte auch darauf, dass kein wichtiges Motiv im Falz in der Buchmitte verschwindet. Kinder malen nicht gern in eine Schlucht.
- Es bleibt Platz für Eigenes. Gute Malbücher lassen bewusst Lücken: einen leeren Himmel, ein halbes Bild zum Weiterzeichnen oder eine Seite für ein eigenes Monster. Solche Flächen laden zum Erfinden ein.
- Das Thema trifft ins Herz. Für einen Dino-Fan sind Dinos besser als das vermeintlich wertvollste Buch im Regal. Wenn du ein Malbuch verschenken möchtest, frag ruhig kurz bei den Eltern nach, wofür das Kind gerade brennt.
- Ein Blick hinein lohnt sich. Blättere ein paar Seiten durch oder schau dir die Leseprobe an. Wirken die Figuren freundlich? Wiederholen sich die Motive ständig? Eine Mischung aus leichten und kniffligen Seiten hält Kinder lange bei Laune.
Was du dafür brauchst
- Fünf Minuten Zeit zum Durchblättern, im Laden oder in der Online-Leseprobe
- Ein Fenster oder eine Lampe für den Papier-Test
- Eine Idee vom aktuellen Lieblingsthema des Kindes
- Passende Stifte: dicke Wachsmal- oder Buntstifte für Kleine, für Größere gern auch Filzstifte
Probier es selbst aus: Euer eigenes Mini-Malbuch
Am besten verstehen Kinder, wie ein Malbuch entsteht, wenn sie selbst eins machen. Das klappt wunderbar mit Opa am Wochenende, mit der Patentante oder mit der ganzen Kita-Gruppe.
- Faltet zwei oder drei Blätter festeres Papier (etwa 120 g/m²) in der Mitte. Für den Umschlag nehmt ihr ein Blatt Tonkarton mit 160 bis 220 g/m².
- Legt gemeinsam ein Thema fest, zum Beispiel „Unser Garten“ oder „Omas Katze“.
- Skizziert die Motive mit Bleistift. Erwachsene und Kinder können sich dabei gern abwechseln.
- Jetzt kommt die Reinzeichnung: Zieht die Linien mit einem schwarzen Filzstift nach und achtet darauf, dass die Flächen geschlossen sind.
- Wenn die Tinte trocken ist, radiert ihr die Bleistiftstriche weg.
- Bindet das Buch: Heftet es in der Mitte mit dem Tacker (das übernehmen Erwachsene) oder stanzt zwei Löcher und fädelt einen Wollfaden durch.
- Gestaltet zum Schluss das Cover mit Titel und den Namen aller „Illustratoren“. Danach könnt ihr selbst ausmalen oder das Buch an Geschwister oder Großeltern verschenken.
Zum Schluss
Ein gutes Malbuch ist kein Zufall. Darin stecken Ideen, viele Skizzen, saubere Linien und ein gründlicher Probedruck. Mit dem Blick hinter die Kulissen erkennst du schnell, welches Buch wirklich Freude macht. Ganz perfekt muss es übrigens nicht sein: Am meisten zählt die Zeit, die ihr gemeinsam am Tisch verbringt.
Wenn du gerade nach einer Idee für das nächste Geschenk oder einen ruhigen Nachmittag suchst, findest du unter diesem Beitrag ein paar passende Anregungen. Und jetzt schnappt euch Stifte, macht Platz auf dem Tisch und legt los!
Kurz erklärt
Skizze
Ein erster, lockerer Entwurf, meist mit Bleistift gezeichnet. Hier darf noch ausprobiert und wegradiert werden.
Reinzeichnung
Die saubere, endgültige Linienzeichnung nach der Skizze. Daraus wird später die Ausmalseite.
Grammatur (g/m²)
Sie gibt an, wie schwer und damit wie dick ein Papier ist. Je höher die Zahl, desto fester ist das Blatt.
Testexemplar
Ein einzelnes Probebuch, das vor dem großen Druck hergestellt wird. Damit lässt sich prüfen, ob alles gut aussieht.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter lohnt sich ein Malbuch?
Schon die Kleinsten haben Freude an großen, einfachen Motiven mit dicken Konturen. Am besten passen dazu dicke Wachsmal- oder Buntstifte. Ein Kind muss nicht in den Linien bleiben. Es geht ums Ausprobieren, nicht um Perfektion.
Kann ich ein Malbuch mit eigenen Motiven drucken lassen?
Ja. Es gibt Druckereien und Selfpublishing-Anbieter, die Malbücher aus eigenen Dateien drucken. Einige bieten Kleinauflagen von 10 bis 250 Exemplaren und vorab ein Testexemplar an. Das ist eine schöne Idee für Familienfeste, eine Kita-Gruppe oder ein Geschenk von Oma und Opa.
Welche Stifte passen zu welchem Malbuch-Papier?
Buntstifte und Wachsmalstifte kommen auch mit dünnerem Papier gut zurecht. Filzstifte und Wasserfarben brauchen festeres Papier, sonst drückt die Farbe durch. Ideal sind dann einseitig bedruckte Seiten. Probiere im Zweifel eine Ecke auf der letzten Seite aus.