Malen mit Wasserfarben: 7 einfache Tricks für Kinder
Wenn aus Sonnengelb plötzlich Pfützenbraun wird
Du kennst das vielleicht: Der neue Malkasten liegt auf dem Tisch, das Kind strahlt, die Zeitung ist ausgebreitet. Zehn Minuten später ist alles graubraun, das Papier wellt sich wie eine Chipstüte und der Pinsel steht mit verbogenen Borsten im Wasserglas. Ob du Mama oder Papa bist, Oma oder Opa, Patentante, Erzieher oder einfach jemand, der gern mit Kindern malt: Wasserfarben sind herrlich und ein kleines bisschen widerspenstig. Die gute Nachricht ist, dass ein paar einfache Kniffe genügen, um aus Matsch-Frust ein echtes Farbabenteuer zu machen.
Warum sich das Dranbleiben lohnt
Wasserfarben sind anders als Buntstifte. Sie fließen, mischen sich und machen manchmal, was sie wollen. Genau darin liegt ihr Zauber. Kinder erleben, dass aus Blau und Gelb Grün wird, dass Wasser die Farbe wandern lässt und dass ein vermeintlicher „Fehler“ plötzlich wie ein Sonnenuntergang aussieht. Ganz nebenbei üben sie Feinmotorik und Geduld und lernen, dass ein Bild nicht perfekt sein muss. Übrigens gilt die Nass-in-Nass-Technik als die am meisten verwendete Aquarelltechnik überhaupt. Selbst Erwachsene brauchen viele Versuche, bis sie den Farbverlauf einigermaßen steuern können. Wenn also nicht alles auf Anhieb klappt, ist dein Kind in bester Gesellschaft.
So klappt’s: 8 Tipps und Techniken für glückliche Farbmomente
- Zwei Wassergläser statt einem. Das ist der häufigste Anfängerfehler: Ein einziges Glas wird schnell zur braunen Brühe und färbt jede neue Farbe mit ein. Nimm ein Glas zum Auswaschen und eines mit sauberem Wasser zum Anfeuchten, dann bleiben die Farben leuchtend. Das Schmutzwasser darfst du zwischendurch ruhig wechseln.
- Den Pinsel nie im Glas stehen lassen. Steht er auf den Borsten, verbiegen sie sich dauerhaft, und aus der feinen Spitze wird ein Struppelbesen. Nach dem Auswaschen streift man den Pinsel kurz am Glasrand ab, tupft ihn auf Küchenpapier und legt ihn hin.
- Die richtige Wassermenge finden. Mit zu viel Wasser entstehen Pfützen und das Papier wirft Wellen. Mit zu wenig Wasser schrubbt der Pinsel über das Farbnäpfchen und die Farbe wird kratzig. Ein Merksatz zum Weitersagen lautet: „Erst baden, dann abtropfen, dann malen.“ Den feuchten Pinsel lässt man so lange im Näpfchen kreisen, bis die Farbe cremig wird. Gemischt wird im Deckel des Malkastens, nicht in den Näpfchen selbst.
- Nass-in-Nass ausprobieren. Normalerweise malen wir auf trockenem Papier. Was passiert, wenn man es vorher nass macht? Trag mit einem Schwamm oder einem breiten Pinsel sauberes Wasser auf. Das Papier sollte nass, aber keinesfalls tropfnass sein. Tupft dann Farben darauf und schaut gemeinsam zu: Sie laufen ineinander und verschwimmen ohne harte Kanten. Das eignet sich wunderbar für Himmel, Meer und Fantasiewelten. In Waldorfschulen, wo oft großformatig auf A3 gemalt wird, gilt dabei die Regel: so trocken wie möglich, nur so nass wie nötig.
- Der Salzeffekt als Sternenhimmel-Trick. Streut ein paar Körner grobes Salz auf die noch nasse Farbe, lasst alles trocknen und reibt das Salz dann ab. Wo die Körner lagen, entstehen helle, sternchenartige Muster. Wichtig ist, dass die Farbe wirklich noch feucht ist, denn auf angetrocknetem Papier passiert kaum etwas. Der Trick passt perfekt zu Nachthimmel, Schneegestöber oder Unterwasserwelt.
- Der Wachsmalstift-Trick als Geheimschrift. Malt mit einem weißen Wachsmalstift oder einem Kerzenstummel etwas auf weißes Papier. Die Zeichnung ist dann fast unsichtbar. Streicht ihr anschließend mit Wasserfarbe darüber, perlt die Farbe am Wachs ab und das Bild taucht wie von Zauberhand auf. Das ist ideal für Geheimbotschaften an Geschwister oder eine Überraschungskarte für Opa.
- Pustebilder mit dem Strohhalm. Tropft einen großen, flüssigen Farbklecks aufs Papier und pustet ihn mit einem Strohhalm in alle Richtungen. Die Farbe kriecht dabei in kleinen Ästen davon. Daraus werden Bäume, wilde Monsterfrisuren oder ein Feuerwerk. Zeig vorher einmal vor, dass nur gepustet und nicht gesaugt wird. Und gönnt euch kleine Pausen, sonst wird es schwindelig.
- Geduld beim Trocknen und beim Loben. Wer zu früh auf nasse Farbe weitermalt, bekommt schnell Matsch. Beim Malen in Schichten, dem sogenannten Lasieren, lässt man jede Schicht trocknen, bevor die nächste kommt. Nutzt die Wartezeit für einen Snack. Und statt „Was ist das denn?“ wirkt die Frage „Erzähl mir von deinem Bild!“ oft Wunder.
Was du dafür brauchst
- einen Malkasten mit Deckel, der als Mischpalette dient
- zwei bis drei Pinsel: einen breiten für Flächen und einen dünneren für Details
- dickes Papier, also Zeichenkarton oder Aquarellpapier, denn dünnes Kopierpapier wellt sich und reißt
- zwei Wassergläser, einen Schwamm und Küchenpapier
- grobes Salz, einen weißen Wachsmalstift oder eine Kerze sowie Strohhalme
- eine abwischbare Unterlage, ein altes T-Shirt als Malkittel und Malerkrepp zum Festkleben des Blatts
Probier es selbst aus: Das magische Nachthimmel-Bild
- Malt mit weißem Wachsmalstift Sterne, einen Mond und vielleicht ein kleines Haus aufs Papier.
- Befeuchtet das Blatt mit dem Schwamm, sodass es nass, aber nicht tropfnass ist.
- Tupft Dunkelblau, Lila und etwas Schwarz auf und lasst die Farben ineinanderfließen.
- Streut sofort ein paar Salzkörner darüber.
- Lasst das Bild trocknen und reibt das Salz anschließend vorsichtig ab.
- Wer mag, setzt zum Schluss einen dunklen Klecks an den unteren Rand und pustet ihn mit dem Strohhalm zu einem Baum.
Drei Techniken stecken in einem Bild, und jedes Mal sieht es anders aus. Genau das macht es so spannend.
Zum Schluss: Mut zum Klecks
Wasserfarben verzeihen viel, wenn man sie lässt. Es geht nicht um das perfekte Bild für den Kühlschrank, sondern um das Staunen, wenn Farben wandern, Salz Sterne zaubert und eine unsichtbare Zeichnung auftaucht. Plant ruhig etwas Chaos ein, lacht über braune Pfützen und hängt die schönsten Überraschungen trotzdem auf. Während die Bilder trocknen, passt übrigens wunderbar eine Faktolino-Folge zum Zuhören, ganz entspannt auch offline im Auto auf dem Weg zu Oma. Und jetzt: Schnappt euch Pinsel, Wasser und Stifte und legt los!
Kurz erklärt
Nass-in-Nass
Eine Maltechnik, bei der man das Papier vorher nass macht. Die Farben laufen dann weich ineinander und bilden verschwommene Übergänge.
Lasieren
Malen in Schichten: Man malt eine Farbschicht, lässt sie trocknen und malt dann die nächste darüber.
Palette
Eine Fläche zum Mischen von Farben. Beim Malkasten ist das oft der Deckel mit seinen kleinen Mulden.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter können Kinder mit Wasserfarben malen?
Viele Kinder haben schon im Kindergartenalter Freude daran, vor allem mit einem dicken Pinsel und großem Papier. Am Anfang geht es ums Entdecken und nicht um fertige Bilder. Feinere Techniken wie das Malen in Schichten machen meist erst etwas älteren Kindern Spaß.
Warum wellt sich das Papier und was hilft dagegen?
Dünnes Papier saugt sich mit Wasser voll und wirft Wellen. Dickeres Zeichen- oder Aquarellpapier hält deutlich mehr aus. Hilfreich ist außerdem, weniger Wasser zu nehmen und das Blatt mit Malerkrepp auf einer festen Unterlage zu fixieren.
Mein Kind ist frustriert, weil das Bild anders aussieht als geplant. Was tun?
Wasserfarben haben ihren eigenen Kopf, das geht sogar erfahrenen Malerinnen und Malern so. Frag lieber neugierig, was dein Kind im Bild entdeckt, statt zu korrigieren. Oft wird aus einem Klecks ein Tier, eine Wolke oder ein Fantasiewesen, das man mit Stiften weitermalen kann.