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Fördern & Entwicklung

Konzentration durch Kreativität: Wie Ausmalen die Fokussfähigkeit von Kindern stärkt

Wenn der Kopf nicht stillhalten will – du kennst das bestimmt

Da sitzt das Kind am Tisch, soll sich eigentlich auf die Hausaufgaben konzentrieren – aber der Blick wandert, die Finger trommeln, der Stuhl wackelt. Ob du Mama, Opa, Tante oder Lehrkraft bist: Diesen Moment kennt wohl jede erwachsene Bezugsperson. Konzentration ist keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht im Kindesalter. Das Gehirn eines Kindes ist noch dabei, genau diese Fähigkeit zu entwickeln – und braucht dabei manchmal einen kleinen Umweg. Einen ganz bunten.

Was viele nicht ahnen: Das scheinbar zwecklose Ausmalen eines Mandalas, die aufmerksam ausgeführten Pinselstriche auf einer Ausmalvorlage, das sorgfältige Kolorieren eines Drachen Schuppchen für Schuppchen – all das ist kein Zeitvertreib. Es ist Training. Fürs Gehirn, für die Nerven, für den Fokus.

Was passiert im Kopf beim Ausmalen?

Ausmalen ist deceptively simple, wie Englischsprachige sagen würden – es sieht einfach aus, ist aber erstaunlich wirksam. Die Hand führt den Stift in kontrollierter Bewegung, das Auge überprüft, ob man noch innerhalb der Linien ist, das Gehirn plant den nächsten Farbwechsel. Gleichzeitig schaltet die innere Unruhe leise ab, weil die Tätigkeit überschaubar, vorhersehbar und angenehm ist.

Forschende an der Universität Plymouth haben in einer Studie gezeigt, dass Menschen, die während einer monotonen Aufgabe etwas ausmalten, knapp 30 % mehr vom Inhalt im Gedächtnis behielten als jene, die einfach nur zuhörten. Das Ausmalen wirkte also nicht als Ablenkung – sondern als Anker für die Aufmerksamkeit. Und auch für Kinder ist dieser Mechanismus gut belegt: Studien zum Einsatz von Mandala-Ausmalen zu Beginn des Schulunterrichts zeigten positive Effekte auf die Fokussfähigkeit von Grundschulkindern. Kunsttherapeutische Ansätze mit bildnerischen Elementen lieferten in pädagogischen Untersuchungen zudem Hinweise auf eine Reduzierung von Hyperaktivität und eine Steigerung der Aufmerksamkeit – besonders bei sehr lebhaften Kindern.

Forscher:innen am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung haben außerdem gezeigt, dass Kinder, die Schwierigkeiten mit der Konzentration haben, oft einen besonders breiten Aufmerksamkeitsfokus besitzen. Sie nehmen mehr gleichzeitig wahr – und genau das kann beim kreativen Gestalten zum Vorteil werden. Beim Ausmalen gibt es keine Fehler, keinen Druck, kein Richtig oder Falsch. Nur Farben, Formen und der ruhige Fluss der Bewegung.

5 gute Gründe, heute noch Stifte rauszuholen

Bevor wir zu den konkreten Tipps kommen, hier auf einen Blick, was regelmäßiges Ausmalen bei Kindern wirklich bewirkt:

  • Konzentrationsdauer verlängert sich: Wer regelmäßig ausmalt, lernt, eine Aufgabe zu Ende zu führen.
  • Innere Unruhe nimmt ab: Die gleichmäßige, repetitive Bewegung beruhigt das Nervensystem spürbar.
  • Feinmotorik wird gestärkt: Präzises Ausmalen trainiert dieselben Muskeln und Koordinationsmuster, die beim Schreiben gebraucht werden.
  • Selbstvertrauen wächst: Ein fertig ausgemaltes Bild ist ein sichtbares Erfolgserlebnis – das Kind sieht sofort: Ich hab das geschafft.
  • Übergang zwischen Aktivitäten gelingt leichter: Eine kurze Ausmal-Pause hilft, vom aufgeregten Spielen in den ruhigen Lernmodus zu wechseln.

So baust du das Ausmalen in den Alltag ein – 7 konkrete Tipps

  1. Das Vorher-Ritual etablieren: Leg Ausmalvorlagen und Stifte direkt vor die Hausaufgaben. Zehn ruhige Ausmalminuten wirken wie ein Reset-Knopf fürs Gehirn – die meisten Kinder starten danach deutlich fokussierter in die eigentliche Aufgabe.
  2. Mandalas für besonders unruhige Phasen nutzen: Die symmetrische, kreisförmige Struktur von Mandalas gibt dem Blick eine klare Richtung und beruhigt schneller als freie Motive. Für ein Kind nach einem turbulenten Schultag ist ein Mandala oft die beste erste Wahl.
  3. Keinen Ehrgeiz reinbringen: Kein „Mal doch ordentlicher!“ und kein „Bleib innerhalb der Linien.“ Wer Druck aufbaut, zerstört den entspannenden Effekt. Lass das Kind seine eigene Ästhetik entwickeln – auch ein lila Hund ist vollkommen in Ordnung.
  4. Gemeinsam ausmalen – und es genießen: Oma mit Buntstift, Enkelin mit Filzstift – das wirkt. Gemeinsames stilles Ausmalen ist eine der einfachsten und warmherzigsten Formen von Zusammensein. Kein Gespräch nötig, kein Plan. Einfach da sein und malen.
  5. Abwechslung durch verschiedene Materialien schaffen: Wasserfarben, Wachsmalstifte, Filzstifte, Buntstifte – jede Technik fühlt sich anders an und spricht andere Sinne an. Abwechslung hält die Motivation hoch und trainiert zugleich unterschiedliche motorische Fähigkeiten.
  6. Motiv zum Kind passen lassen: Ein Kind, das Dinosaurier liebt, malt einen Dino mit mehr Hingabe als ein beliebiges Blumenmuster. Schau, was das Kind gerade fasziniert – Weltraum, Meeresbewohner, Fantasiewesen – und such passende Vorlagen heraus.
  7. Die fertige Seite würdigen: Häng das ausgemalte Bild an die Wand, kleb es ans Kühlschrank, stell es auf den Nachttisch. Das Signal an das Kind: Was du geschaffen hast, hat Wert. Das stärkt die Motivation für das nächste Mal – und damit den Wiederholungseffekt, der für die Konzentration so wichtig ist.

Was du dafür brauchst

Das Schöne an dieser Methode ist ihre Einfachheit. Du brauchst weder teures Material noch viel Zeit noch pädagogisches Vorwissen. Hier das Wesentliche:

  • Ein Set Buntstifte oder Filzstifte (altersgerechte Dicke beachten – jüngere Kinder greifen leichter zu dickeren Stiften)
  • Ausmalvorlagen: aus dem Netz ausgedruckt, aus einem Malbuch oder selbst gezeichnet
  • Eine ruhige Unterlage und ausreichend Licht
  • Für besondere Momente: Wasserfarben und ein Pinsel – das Ausmalen mit Pinsel fühlt sich nochmals anders an und ist eine schöne Abwechslung
  • Am meisten braucht das Kind: Zeit, in der niemand etwas von ihm will. Einfach malen dürfen.

Probier es selbst aus: Das Konzentrations-Mandala

  1. Drucke ein einfaches Mandala aus (oder zeichne selbst konzentrische Kreise und ein paar Muster hinein).
  2. Stell eine kurze Sanduhr oder einen Timer auf 10 Minuten.
  3. Setzt euch gemeinsam hin – das Kind mit seinen Stiften, du vielleicht auch mit einem eigenen Blatt.
  4. Kein Reden, kein Musik auflegen – nur das leise Kratzen der Stifte auf dem Papier.
  5. Wenn der Timer klingelt: Kurz innehalten und nachspüren. Wie fühlt sich der Kopf jetzt an? Meist ruhiger, klarer, bereit.
  6. Das fertige Mandala gemeinsam anschauen und ein Lieblingsdetail benennen.

Kleine Stifte, große Wirkung

Kreativität ist kein Luxus – sie ist ein Werkzeug. Ein Werkzeug, das Kinder nutzen können, um sich selbst zu regulieren, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Und das Schöne daran: Es macht Spaß. Für das Kind genauso wie für dich, wenn du daneben sitzt und selbst ein bisschen ausmalst.

Also: Stift raus, Vorlage rein, und einfach loslegen. Gemeinsam. Bunt. Und ohne Perfektionsdruck. Das Ergebnis – ein zufriedenes, fokussierteres Kind – kommt ganz von allein.

Falls du auf der Suche nach dem passenden Malbuch bist, das genau zum Alter und den Interessen des Kindes passt – weiter unten findest du eine Auswahl, die hilft, das Richtige zu finden.

Kurz erklärt

Fokussfähigkeit

Die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten und sie dort eine Weile zu halten – ohne sich ablenken zu lassen.

Mandala

Ein kreisförmiges Muster mit symmetrischen Formen, das zum Ausmalen einlädt. Das Wort kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie ‚Kreis‘. Mandalas sind besonders beliebt als ruhigendes Ausmal-Motiv.

Selbstregulation

Die Fähigkeit eines Kindes, die eigenen Gefühle, Gedanken und Handlungen bewusst zu steuern – zum Beispiel sich zu beruhigen, wenn man aufgewühlt ist.

Kreativitätsförderung

Alles, was Kinder dabei unterstützt, eigene Ideen zu entwickeln, auszuprobieren und bildnerisch oder gestalterisch umzusetzen.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ein Kind täglich ausmalen, damit es einen Effekt auf die Konzentration hat?

Schon 10 bis 15 Minuten regelmäßiges Ausmalen können einen spürbaren Unterschied machen – wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit. Besonders wirksam ist es als kleine Ritual vor einer konzentrativen Aufgabe wie Hausaufgaben.

Ist Malen nach Zahlen oder freies Ausmalen besser für die Konzentration?

Beides hat seinen Wert: Strukturierte Vorlagen wie Malen nach Zahlen oder Mandalas geben dem Gehirn eine klare Aufgabe und fördern gezielte Aufmerksamkeit. Freies Malen fördert stärker die Kreativität und Selbstausdrucksfähigkeit. Ein Mix aus beidem ist für die meisten Kinder ideal.

Funktioniert Ausmalen auch bei Kindern, die als besonders unruhig oder zappelig gelten?

Ja – pädagogische Studien zeigen, dass bildnerisch-kreative Tätigkeiten gerade bei sehr lebhaften Kindern positive Effekte auf Aufmerksamkeit und Selbstregulation haben können. Es braucht am Anfang etwas Geduld, bis das Kind in den Fluss kommt – aber gerade dann entfaltet das Malen seine beruhigende Wirkung.

Christoph Alexander Verlag
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