Linkshändige Kinder beim Malen unterstützen: Papierlage, Stifthaltung, Stifte und Stolperfallen
Wenn der Stift in die andere Hand wandert
Vielleicht kennst du diese Szene: Du sitzt mit deinem Kind, deinem Enkelkind oder deinem Patenkind am Küchentisch, ihr malt zusammen, und plötzlich fällt dir auf, dass der Buntstift ganz selbstverständlich in der linken Hand liegt. Die kleine Hand schiebt sich über das Bild, am Ende ist die Sonne verschmiert und der Ärmel grau vom Wachsmaler. Und du fragst dich: Muss ich jetzt etwas anders machen? Darf ich überhaupt etwas sagen? Und wie soll ich helfen, wenn ich selbst mit rechts male und gar nicht weiß, wie sich das „von links“ anfühlt?
Die gute Nachricht vorweg: Korrigieren musst du gar nichts. Es reicht, ein paar Dinge geschickt einzurichten. Den Rest erledigt die Freude am Malen.
Warum sich ein bisschen Aufmerksamkeit lohnt
Unsere Schreibrichtung läuft von links nach rechts und ist damit für die rechte Hand gemacht. Linkshändige Kinder müssen deshalb viele Striche schieben, die Rechtshänder ganz bequem ziehen. Außerdem sehen sie schlechter, was sie gerade gemalt oder geschrieben haben. Zeigt ihnen niemand eine gute Haltung, gleitet die Hand oft über das frische Bild und es verwischt.
Viele Kinder finden dann selbst einen Ausweg: die sogenannte Hakenhaltung. Dabei wird die Hand so verdreht, dass sie von oben auf das Papier malt. Das verschmiert zwar nicht mehr, ist auf Dauer aber anstrengend und verdreht sogar die Körperhaltung. Fachleute raten deshalb, eine lockere Haltung möglichst schon im Vorschulalter einzuüben. Malen ist dafür die schönste Vorbereitung, die es gibt. Und ganz wichtig: Die Händigkeit selbst soll nicht verändert werden. Links ist richtig so.
7 Tipps, die du sofort umsetzen kannst
- Erst beobachten, dann einrichten. Bei manchen Kindern ist schon mit einem Jahr klar, welche Hand führt, bei den meisten zeigt es sich zwischen zwei und vier Jahren. Leg Stifte, Pinsel und auch Besteck einfach mittig vor das Kind statt intuitiv nach rechts. So entscheidet die Hand ganz von allein. Das ist besonders wichtig, wenn du selbst Rechtshänder:in bist.
- Das Blatt links und schräg legen. Das Papier liegt links von der Körpermitte und ist leicht im Uhrzeigersinn gedreht, die linke obere Ecke liegt also etwas höher. So bleibt die Hand unterhalb der Linie, das Kind sieht, was entsteht, und nichts verwischt. Ein Streifen Malerkrepp oder eine rutschfeste Unterlage hält alles an Ort und Stelle. Bei Malbüchern drehst du einfach das ganze Buch.
- Von unten malen lassen. Ideal ist ein gerades Handgelenk, und die Hand bleibt unterhalb dessen, was gerade gemalt wird. Krümmt sich die Hand zum Haken, korrigiere nicht die Hand, sondern das Blatt. Meist liegt es zu gerade oder zu weit rechts.
- Auf den Dreipunktgriff achten. Mit etwa vier Jahren halten Kinder den Stift normalerweise zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Linkshändern hilft es, etwas weiter oben zu greifen, damit die Spitze sichtbar bleibt. Dicke, dreieckige Buntstifte oder aufsteckbare Griffhilfen führen die Finger ganz nebenbei in die richtige Position.
- Weich statt kratzig. Wer viel schiebt, bleibt mit harten Minen und dünnen Filzstiften leicht im Papier hängen. Weiche Buntstifte, dicke Wachsmaler und kräftige Stifte gleiten viel angenehmer. Bei Filzstiften verhindern schnell trocknende Farben, dass die Hand alles mitnimmt.
- Den Platz am Tisch klug wählen. Sitzt ein linkshändiges Kind rechts neben einem Rechtshänder, stoßen die Ellbogen ständig zusammen. Gib ihm lieber die linke Tischecke oder den Platz links von Geschwistern und Freunden. Das Licht kommt am besten von rechts, dann wirft die malende Hand keinen Schatten aufs Bild.
- Früh die richtige Schere. Zum Malen gehört oft das Ausschneiden. Linkshändige Kinder brauchen schon ab drei bis vier Jahren eine echte Linkshänderschere. Wer bis zur Einschulung wartet, ist zu spät dran: Bis dahin haben sich viele Kinder mit der Rechtshänderschere arrangiert oder schneiden mit rechts, weil sie es sich bei anderen abgeschaut haben.
Typische Stolperfallen und wie du sie umgehst
- Die gut gemeinte Umlenkung: Auch kleine Gesten wie das Reichen des Stifts in die rechte Hand können ein Kind unbewusst umlenken. Reich Dinge lieber mittig an.
- Spiralblöcke mit Bindung links: Die Spirale drückt gegen die Hand. Lose Blätter oder oben gebundene Blöcke sind angenehmer.
- Der ganz normale Anspitzer: Er ist für die Drehrichtung von Rechtshändern gebaut. Es gibt eigene Spitzer für Linkshänder, die sich deutlich leichter bedienen lassen.
- Vormachen nur mit rechts: Setz dich gegenüber, damit das Kind deine Bewegung spiegeln kann. Oder trau dich und mal selbst einmal mit links. Das sorgt garantiert für gemeinsames Gelächter.
- Unsicherheit übersehen: Wechselt ein Kind mit etwa vier Jahren noch ständig die Hand, sprich das bei der U9 an. Bei Problemen mit der Stifthaltung hilft meist eine Ergotherapie.
Was du dafür brauchst
- Weiche, dicke oder dreieckige Buntstifte und Wachsmaler
- Bei Bedarf aufsteckbare Griffhilfen
- Malerkrepp oder eine rutschfeste Unterlage
- Lose Blätter, Blöcke mit Bindung oben oder ein Malbuch mit großen Flächen
- Einen Linkshänder-Spitzer und eine Linkshänderschere
- Einen Platz links am Tisch mit Licht von rechts
Probier es selbst aus: Das Linke-Hand-Monster
- Erst du: Nimm einen Stift in die linke Hand und schreib deinen Namen von links nach rechts. Spürst du, wie du schiebst statt ziehst? Genau so fühlt es sich für dein Kind an.
- Jetzt gemeinsam: Legt ein großes Blatt schräg links auf den Tisch und klebt es fest.
- Dein Kind legt seine linke Hand auf das Papier, und ihr umfahrt sie zusammen mit einem weichen Stift.
- Aus dem Handumriss wird ein Fantasiewesen: Die Finger werden zu Stacheln, Beinen oder Haaren. Augen, Zähne und Muster dazumalen, dann bunt ausmalen.
- Zum Schluss malt ihr große Schwünge, Wellen und Wolken von links nach rechts als Landschaft drumherum. Verwischt etwas? Dann dreht ihr das Blatt noch ein Stück, bis die Hand bequem unterhalb malt.
Zum Schluss: Links ist einfach eine andere Richtung
Linkshändige Kinder brauchen keine Korrektur, sondern ein bisschen Rückenwind: ein schräges Blatt, einen guten Platz, weiche Stifte und jemanden, der hinschaut, ohne zu bewerten. Ob du Mama, Papa, Oma, Opa, Patentante oder Erzieher:in bist, mit diesen kleinen Kniffen schenkst du deinem Kind entspannte Malstunden und eine richtig gute Grundlage fürs Schreibenlernen. Unter diesem Beitrag findest du Malbücher, die gut zu euch passen könnten. Und jetzt: Schnappt euch die Stifte, legt das Blatt schräg und legt los!
Kurz erklärt
Händigkeit
Damit ist gemeint, welche Hand ein Mensch bevorzugt und geschickter benutzt, also die linke oder die rechte.
Hakenhaltung
Eine verkrümmte Handhaltung, bei der die linke Hand von oben auf das Blatt schreibt. Sie verhindert Verwischen, ist aber auf Dauer anstrengend.
Dreipunktgriff
Der Stift liegt zwischen Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, so wie ein kleines Dreieck.
Linkshänderschere
Eine Schere, bei der die Klingen spiegelverkehrt angeordnet sind. So sieht ein linkshändiges Kind die Schnittlinie und kann sauber schneiden.
Häufige Fragen
Ab wann sieht man, ob ein Kind Linkshänder ist?
Bei manchen Kindern ist es schon mit etwa einem Jahr klar, bei den meisten zwischen zwei und vier Jahren. Ein guter Trick: Leg Besteck, Stifte und Spielsachen mittig hin und schau, zu welcher Hand das Kind von selbst greift.
Was tun, wenn ein Kind mit vier Jahren noch ständig die Hand wechselt?
Dann lohnt es sich, das bei der Vorsorgeuntersuchung U9 beim Kinderarzt anzusprechen. Ein unsicherer Handgebrauch in diesem Alter kann auf eine motorische Entwicklungsverzögerung hinweisen. Bei Schwierigkeiten mit der Stifthaltung hilft meist eine Ergotherapie.
Ab welchem Alter braucht ein linkshändiges Kind eine eigene Schere?
Schon ab drei bis vier Jahren. Wer bis zur Einschulung wartet, ist meist zu spät dran: Dann haben sich viele Kinder mit der Rechtshänderschere arrangiert oder schneiden mit rechts, weil sie es sich bei anderen abschauen.