Zu schade für die Schublade: Was Kinder aus fertig ausgemalten Bildern basteln können
Der Stapel wächst – und das Herz sagt Nein zum Altpapier
Du kennst das bestimmt: Auf dem Küchentisch, im Kinderzimmer oder im Fach bei Oma und Opa türmen sich ausgemalte Bilder. Da ist der knallgrüne Dino, das Einhorn mit Regenbogenmähne und das Haus, bei dem die Sonne ein bisschen über den Rand gerutscht ist. Jedes Blatt steckt voller Konzentration und Freude. Wegwerfen fühlt sich falsch an, und alles aufzuheben sprengt irgendwann jede Schublade.
Ob du Mama oder Papa bist, Großmutter, Patenonkel oder Erzieherin: Mit diesem kleinen Dilemma bist du nicht allein. Die gute Nachricht ist, dass viele dieser Bilder zu schade für die Schublade sind und noch ein zweites Leben vor sich haben.
Warum sich das Weiterbasteln lohnt
Kinderbilder sind Ausdruck von Fantasie, Entwicklung und Gefühlen. Wenn aus einem ausgemalten Bild eine Grußkarte für die Tante oder ein Lesezeichen für Opa wird, erlebt dein Kind etwas Wertvolles: Was ich gemacht habe, ist wichtig und macht anderen Freude. Gleichzeitig trainiert es beim Schneiden, Falten und Kleben seine Feinmotorik. Es lernt außerdem, aus etwas Vorhandenem etwas Neues zu erfinden. Und du gewinnst Platz, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
7 Ideen, die sofort funktionieren
- Grußkarten zu jedem Anlass: Falte festen Tonkarton in der Mitte. Dann schneidet ihr ein schönes Stück aus dem ausgemalten Bild aus und klebt es vorne auf. Diese Idee klappt schon mit Zweijährigen: Die Kleinen kleben, du schneidest. Größere Kinder schreiben oder malen innen noch eine Botschaft dazu.
- Lesezeichen für Leseratten: Schneidet einen schmalen Streifen aus dem Bild und klebt ihn auf Karton, damit er stabil wird. Ein Loch oben mit einem bunten Wollfaden macht das Ganze schön. Ein einfaches Papier-Lesezeichen ist in etwa 15 Minuten fertig. Das ist ideal als spontanes Mitbringsel, wenn ihr am Wochenende Oma besucht.
- Ein Mobile aus Lieblingsmotiven: Schneidet Figuren wie Tiere, Sterne oder Blumen entlang der Umrisse aus. Klebt sie auf Karton und hängt sie an unterschiedlich langen Fäden an einen Ast oder Holzstab. So schwebt das Ausmalbild plötzlich im Raum. Mehr dazu findest du im Experiment unten.
- Geschenkanhänger und Geschenkpapier: Kleine ausgeschnittene Formen mit einem Loch und einer Schnur werden zu Anhängern. Große, flächig bemalte Bilder taugen sogar als Geschenkpapier für kleine Päckchen. Das ist persönlicher als jedes Papier aus dem Laden.
- Girlande für Kinderzimmer oder Fest: Schneidet Dreiecke, Kreise oder Herzen aus mehreren Bildern aus und fädelt sie auf eine Schnur. Die Girlande schmückt den Kindergeburtstag, die Kita-Gruppe oder das Fenster bei den Großeltern.
- Puzzle zum Verschenken: Klebe ein ausgemaltes Bild auf festen Karton und lass es gut trocknen. Dann zerschneidest du es in einige große Teile. Für Jüngere reichen vier bis sechs Stücke, Ältere schaffen mehr. Das Kind kann sein eigenes Bild wieder zusammensetzen oder es dem Geschwisterchen schenken.
- Collage oder Fantasiewesen: Aus Resten von verschiedenen Bildern lassen sich neue Wesen kleben. Der Kopf vom Löwen kommt auf den Körper vom Schmetterling, die Beine liefert der Roboter. Kinder lieben diese verrückten Kombinationen, und kein Schnipsel geht verloren.
Ein Tipp vorab: Frag dein Kind immer, bevor ihr ein Bild zerschneidet. Manche Werke sind heilig und bleiben ganz, andere dürfen gern zu etwas Neuem werden. Wenn du ganz sichergehen willst, fotografierst du das Original vorher ab. Das geht am besten bei Tageslicht auf einer weißen Unterlage. Mit einem Ordner pro Kind und Jahr hast du die Bilder schnell wiedergefunden. Daraus lässt sich später sogar ein Fotobuch oder Kalender gestalten.
Was du dafür brauchst
- Fertig ausgemalte Bilder (gesammelt in einer „Bastelkiste“)
- Eine Kinderschere mit abgerundeter Spitze, für dich eine normale Schere
- Klebestift oder Bastelkleber
- Festen Karton oder Tonkarton als Verstärkung
- Wollfaden, Schnur oder Geschenkband
- Einen Locher
- Für das Mobile: einen Stock, Holzstab oder Kleiderbügel
- Bunte Stifte für Ergänzungen und Botschaften
Achte bei kleinen Kindern darauf, dass keine Kleinteile im Spiel sind, die in den Mund wandern könnten. Behalte Schere und Schnüre im Blick. Für Kita-Kinder eignen sich besonders Varianten, bei denen geklebt und ausgemalt wird. Das Schneiden übernimmst du oder ein größeres Kind.
Probier es selbst aus: Euer Mini-Mobile in 20 Minuten
- Sucht gemeinsam drei bis fünf ausgemalte Motive aus, die zusammenpassen, zum Beispiel Meerestiere, Waldtiere oder Weltraum.
- Klebt die Bilder auf festen Karton und lasst sie kurz trocknen.
- Schneidet die Figuren grob entlang der Umrisse aus. Kleine Kinder dürfen dabei gern mit dem Kleber helfen.
- Stanzt in jede Figur oben ein Loch und knotet einen Faden hindurch. Nehmt dafür unterschiedliche Längen, das sieht lebendiger aus.
- Bindet die Fäden mit etwas Abstand an einen Stock oder Kleiderbügel.
- Haltet das Mobile hoch und schiebt die Fäden hin und her, bis es gerade hängt. Dabei entdeckt ihr ganz nebenbei, wie Gleichgewicht funktioniert.
- Hängt es an einem Platz auf, an dem es sich drehen kann. Bei Babys und Kleinkindern gehört es außer Reichweite, also nicht direkt übers Bett.
Kleine Erweiterung: Malt die Rückseiten der Figuren auch noch an. Dann ist das Mobile von beiden Seiten bunt, egal wie es sich dreht.
Mehr als nur Resteverwertung
Jedes ausgemalte Bild, das zur Karte, zum Lesezeichen oder zum Mobile wird, erzählt eine kleine Geschichte. Es erzählt vom Nachmittag, an dem es entstanden ist, und von dem Menschen, der es geschenkt bekommt. Du musst dafür kein Bastelprofi sein. Es geht nicht um Perfektion, sondern um gemeinsame Zeit und das stolze Leuchten in Kinderaugen, wenn Oma die Karte aufklappt.
Und falls ihr auf dem Weg zu den Großeltern eine längere Autofahrt vor euch habt: Ein Offline-Hörbuch verkürzt die Strecke wunderbar, während die frisch gebastelten Geschenke auf dem Schoß warten.
Jetzt aber los: Holt die Bastelkiste hervor, schnappt euch Stifte, Schere und Kleber und schaut, was aus euren Lieblingsbildern Neues entstehen will. Ganz bestimmt wartet schon das nächste Ausmalbild darauf, fertig zu werden.
Kurz erklärt
Mobile
Ein Hängeschmuck aus mehreren Figuren, die an Fäden befestigt sind. Sie drehen sich, sobald ein Luftzug kommt.
Collage
Ein neues Bild, das aus vielen ausgeschnittenen Papierstückchen zusammengeklebt wird.
Digitalisieren
Ein Bild abfotografieren oder einscannen, damit es auf dem Computer oder Handy gespeichert ist.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter können Kinder beim Weiterbasteln mitmachen?
Schon sehr früh. Karten aus Kinderzeichnungen lassen sich bereits mit Zweijährigen basteln. Die Kleinen kleben, falten oder wählen aus, und du übernimmst das Schneiden. Für Kita-Kinder eignen sich vor allem Ausmal- und Klebevarianten ohne Kleinteile.
Darf ich ein Bild einfach zerschneiden, ohne das Kind zu fragen?
Besser nicht. Für Kinder steckt oft viel Herz in einem Bild. Frag also vorher: ‚Dürfen wir aus diesem Bild etwas Neues machen?‘ Lieblingsbilder bleiben ganz. Bilder, bei denen das Kind zustimmt, kommen in die Bastelkiste. So fühlt es sich ernst genommen.
Wie behalte ich trotzdem eine Erinnerung an die Originale?
Fotografiere die Bilder vor dem Basteln. Am besten geht das bei Tageslicht auf einer weißen Unterlage. Lege dafür pro Kind und Jahr einen Ordner an. Daraus kannst du später ein Fotobuch oder einen Kalender gestalten.